Zehn Jahre Ausstiegswohnung: Ein geschützter Ort für den Neuanfang

- 06.11.2026 - 

Amalie begleitet Frauen auf ihrem Weg aus der Prostitution – zum Jubiläum diskutierte Leni Breymaier über Ausstiegsperspektiven

Einen sicheren Ort finden, zur Ruhe kommen und neue Perspektiven entwickeln: Seit zehn Jahren bietet die Ausstiegswohnung der Mannheimer Beratungsstelle Amalie Frauen Unterstützung, die aus der Prostitution aussteigen möchten. Mehr als 30 Frauen haben das Angebot bisher durchlaufen. Der Großteil von ihnen hat den Ausstieg dauerhaft geschafft. Zum zehnjährigen Bestehen blickte Amalie gemeinsam mit Leni Breymaier, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Gründungsmitglied des Vereins SISTERS für den Ausstieg aus der Prostitution, auf die prekäre Situation der Frauen und die politischen Rahmenbedingungen. Rund 50 Interessierte kamen am Donnerstagabend in die Mannheimer Abendakademie. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Abendakademie und im Rahmen des Programms zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 25. November statt.

Dort können die Frauen, die durch die Prostitution in einen Erschöpfungszustand geraten sind, sich erst einmal erholen, Abstand gewinnen und sich neu orientieren“, erläuterte Astrid Fehrenbach, Leiterin von Amalie, die Bedeutung der Ausstiegswohnung. Viele Aussteigerinnen stehen buchstäblich vor dem Nichts, leben in Prostitutionsstätten, haben keine Meldeadresse und keine Krankenversicherung. Amalie stellt deshalb zunächst die Grundversorgung sicher und unterstützt die Frauen dabei, eine neue Perspektive und Arbeit zu finden. Die Ausstiegswohnung ist dabei ein wichtiger erster Schritt.
Dass ein solcher Neuanfang möglich ist, zeigen die Erfahrungen aus zehn Jahren. Zugleich ist das Angebot auf Spenden angewiesen. „Wir brauchen staatlich finanzierte Ausstiegsprogramme“, betonte auch Leni Breymaier. Doch Grundlage dafür sei ein Sexkaufverbot nach dem Nordischen Modell, das gleichzeitig die Nachfrage eindämmt. Dabei wird nicht das Angebot von Prostitution bestraft, sondern die Nachfrage: Frauen in der Prostitution bleiben straffrei, während Freier sich strafbar machen. Länder wie Schweden und Frankreich verfolgen diesen Ansatz bereits seit vielen Jahren erfolgreich.
„Wenn Sexkauf verboten ist, verschwindet deswegen nicht automatisch die Prostitution, aber es wäre der richtige Schritt, um endlich umzusteuern“, sagte Breymaier. Unter den derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen trügen allein die Frauen die Risiken der Prostitution – etwa Gewalt, gesundheitliche Schäden und Abhängigkeiten. Ein Sexkaufverbot könne dazu beitragen, dass nicht immer neue junge Frauen aus Armutsregionen Europas und der ganzen Welt nach Deutschland in die Prostitution gebracht werden. Die Bilanz macht deutlich, wie wichtig konkrete Unterstützung und verlässliche Ausstiegsmöglichkeiten sind. Damit Frauen auch künftig einen sicheren Ort für den Neuanfang finden, braucht die Ausstiegswohnung neben Spendenengagement eine langfristig gesicherte Finanzierung. (JeLa)