Wie können junge Menschen vor der Loverboy-Methode geschützt werden? Und woran lässt sich erkennen, wenn eine Beziehung in Ausbeutung und Gewalt mündet? Rund 30 Menschen folgten der öffentlichen Einladung der Beratungsstelle Amalie und der Stadt Mannheim zu einer Informationsveranstaltung am Karl-Friedrich-Gymnasium. Unter den Gästen waren Fachkräfte aus Jugendhilfe, Jugendamt und Schulsozialarbeit sowie Eltern. Im Mittelpunkt standen die Vorgehensweise der Täter, die Erfahrungen Betroffener und die Frage, wie Prävention und Unterstützung gelingen können.
Loverboy-Methode: Wenn aus vermeintlicher Liebe Ausbeutung wird
- 22.10.2026 -
Infoabend von Amalie und der Stadt Mannheim am Karl-Friedrich-Gymnasium sensibilisiert für Menschenhandel und emotionale Abhängigkeit
Sena Söbütay, Schulsozialarbeiterin am Karl-Friedrich-Gymnasium, begrüßte die Gäste und dankte für die gelungene Kooperation zwischen Amalie und dem Büro für Gleichstellung der Stadt Mannheim. Auch Lena Dunio-Özkan, Fachreferentin für Gewalt an Frauen und Prostitution bei der städtischen Abteilung Gleichstellung, betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Wir haben sehr viel Resonanz erfahren auf unsere Anfrage, mit dem Thema an Schulen zu gehen – das zeigt, wie wichtig es ist.“ Angesichts der Schwere des Themas sei es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und junge Menschen, aber auch Eltern und Lehrkräfte dafür zu sensibilisieren.
Gezielte Manipulation und emotionale Abhängigkeit
Astrid Fehrenbach, Leiterin der Beratungsstelle Amalie, erläuterte, wie die Loverboy-Methode funktioniert. Zuhälter sprechen gezielt junge Frauen und Mädchen an, bauen eine scheinbare Liebesbeziehung auf und erschleichen sich ihr Vertrauen. Häufig nutzen sie soziale Medien, Interplattformen oder Dating-Apps, um Kontakt herzustellen. Schritt für Schritt isolieren sie die Betroffenen von Familie und Freundeskreis, machen sie emotional abhängig und setzen sie schließlich unter Druck – bis hin zur erzwungenen Prostitution.
Dass es dabei nicht auf die soziale Herkunft ankommt, zeigen Erfahrungen aus der Beratungsarbeit. Vor allem Mädchen und junge Frau in besonders verletzlichen oder unsicheren Lebenssituationen sind betroffen. Die Vorgehensweise der Loverboys ähnelt häufig gewaltvollen Beziehungen, in denen Zuneigung und Versprechen eingesetzt werden, um Kontrolle auszuüben. Die Loverboy-Methode zielt auf sexuelle Ausbeutung in der Zwangsprostitution. Wie schwierig es für die Opfer ist, die Manipulation zu durchschauen und sich aus der emotionalen Verstrickung zu lösen, zeigen Gespräche mit Betroffenen. Anzeigen sind nur selten und entsprechend groß ist das Dunkelfeld. Auch das soziale Umfeld ist häufig nicht in der Lage die zerstörerischen Dynamiken zu erkennen.
In dem Buch „Schneewittchen und der böse König“ hat die Autorin Barbara Schmid die Geschichte einer Betroffenen, der damals 17-jährigen Katharina, aufgezeichnet. Deren Bericht zeichnet authentisch ihre leidvolle Geschichte auf und macht deutlich, wie lange die Folgen solcher Erfahrungen anhalten.
Hinschauen, ansprechen und im Gespräch bleiben
In der anschließenden Diskussion ging es vor allem darum, wie Fachkräfte und Angehörige reagieren können, wenn sie Anzeichen einer solchen Manipulation wahrnehmen. Eine Schulsozialarbeiterin fragte, wie Betroffene angesprochen und unterstützt werden können. Lena Dunio-Özkan betonte, dass es wichtig sei zu sensibilisieren und Warnsignale zu erkennen – insbesondere, wenn in einer Beziehung Kontrolle ausgeübt werde. Zugleich müsse gesellschaftlich stärker darüber gesprochen werden, was gesunde Beziehungen ausmacht und welche Vorbilder jungen Menschen Orientierung geben.
Eine Besucherin aus der Jugendhilfe hob die Bedeutung familiärer Beziehungen hervor: Vertrauenspersonen wie eine Tante oder eine Schwester könnten wichtige Anknüpfungspunkte sein, um Betroffene der Loverboy-Methode zu erreichen und zu unterstützen. Entscheidend sei, den Kontakt nicht abreißen zu lassen.
Amalie: Beratung und Unterstützung
Amalie berät seit 2013 Frauen in der Prostitution, unterstützt und begleitet beim Ausstieg. Die Fachberatungsstelle arbeitet auch präventiv und informiert über Gefahren und Ausbeutungsstrukturen. (JeLa)
