Aktionstag gegen die Glücksspielsucht - Hinschauen statt wegspielen: Kinder aus suchtbelasteten Familien stärken

- 06.10.2026 - 

Aktionstag in Mannheim rückt Kinder glücksspielsüchtiger Eltern in den Fokus

Wie erleben Kinder es, wenn ein Elternteil spielsüchtig ist? Und wie können Fachkräfte erkennen, dass eine Familie Unterstützung braucht? Diese Fragen standen beim Aktionstag „Hinschauen statt wegspielen – Handlungsstrategien für Fachkräfte“ am 30. September in der Kinder- und Jugendbibliothek Mannheim im Mittelpunkt. Rund 30 Fachkräfte aus Schulen, Kindertageseinrichtungen und Beratungsstellen nahmen teil.

(v.l.n.r.): Annette Müller, Tracy Kern, Anna Kreiner, Bettina Harling, Stefanie Fischer und Timo Kläser. (Foto: Jessica Lammer)
Kinder leiden oft im Stillen
 
„Einmal war sogar das Sparschwein kaputt“ – solche Sätze aus dem Kinderbuch „Mein Papa, die Unglücksspiele und ich“ von Gundi Herget machen deutlich, wie unmittelbar Kinder die Folgen einer Glücksspielsucht erleben. Wenn Geld fehlt, Versprechen nicht eingehalten werden oder die Stimmung zu Hause angespannt ist, bekommen Kinder die Probleme ihrer Eltern mit. Häufig sprechen sie aus Scham oder Angst nicht darüber.
Bürgermeister Dirk Grunert betonte in seinem Grußwort, wie wichtig es sei, das Thema aus der Tabuzone zu holen. Kinder aus suchtbelasteten Familien bräuchten Erwachsene, die ihre Sorgen wahrnehmen und ihnen Unterstützung anbieten.
 
Aufmerksam sein, ohne vorschnell zu urteilen
 
Stephanie Fischer, Beauftragte für Suchtprävention Stadt Mannheim, erläuterte, wie Glücksspielsucht entstehen kann und welche Hinweise im Alltag Anlass sein können, genauer hinzuschauen. Dazu gehören beispielsweise, wenn ein Kind ungewöhnlich viel über Glücksspiel weiß, familiäre Geldsorgen deutlich werden oder es auffällig viel Verantwortung übernimmt. Solche Beobachtungen sind keine eindeutigen Belege, können aber ein Anlass sein, behutsam nachzufragen. Entscheidend sei, Betroffene nicht zu beschämen oder zu verurteilen, sondern ihnen zuzuhören und Hilfe anzubieten. Kinder brauchen verlässliche Ansprechpersonen, denen sie sich anvertrauen können.

Wie schwer es sein kann, aus der Sucht herauszufinden, schilderten zwei ehemals glücksspielsüchtige Männer. Einer berichtete, dass er zunächst aus beruflicher Überlastung heraus nachts zu spielen begann, um es vor seiner Frau zu verbergen. Als sie davon erfuhr, habe er einerseits Erleichterung verspürt – für sie sei es dagegen ein Zusammenbruch gewesen. Ein anderer beschrieb, wie das Glücksspiel zunehmend zum Rückzugsort wurde und schließlich einen großen Teil seines Alltags bestimmte. Das Smartphone machte es möglich, jederzeit zu spielen.
Beide Berichte zeigten, wie schnell sich Glücksspiel in den Alltag drängen kann und wie sehr auch Angehörige darunter leiden. Zugleich machten sie deutlich, dass Offenheit und Unterstützung Wege aus der Sucht eröffnen können.
 
Hinschauen und Hilfe ermöglichen
 
Eine praktische Übung veranschaulichte den Teilnehmenden, dass Glücksspiel nicht kontrollierbar ist und der vermeintliche Einfluss auf den Ausgang trügt. Im anschließenden Austausch wurde deutlich, wie wichtig es ist, Warnsignale ernst zu nehmen und Familien ohne Vorwürfe anzusprechen.
 
Das Kinderbuch „Mein Papa, die Unglücksspiele und ich“ richtet sich an Kinder ab acht Jahren und kann Fachkräften dabei helfen, mit Kindern über das Thema ins Gespräch zu kommen.
Der Aktionstag wurde gemeinsam veranstaltet von den Beauftragten für Suchtprävention der Stadt Mannheim, der Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation (bwlv), der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Suchtberatung des Caritasverbands Mannheim e. V. und des Diakonischen Werks Mannheim, der Stadtbibliothek Mannheim sowie Mannheimer Selbsthilfegruppen. (JeLa)