Amalie stellt Jahresbericht 2025 vor

- 11.05.2026 - 

Mehr Bedarf, weniger Mittel. Amalie fordert stärkere Unterstützung für Frauen in der Prostitution

Die Beratungsstelle Amalie hat ihren Jahresbericht 2025 vorgestellt und dabei auf wachsende Herausforderungen in der Arbeit mit Frauen in der Prostitution hingewiesen. Besonders im Fokus stehen die Auswirkungen geplanter Haushaltskürzungen der Stadt Mannheim, fehlende strukturelle Unterstützung beim Ausstieg sowie die zunehmende Verlagerung der Prostitution in private und digitale Räume. „Die geplanten Kürzungen treffen bei uns ganz konkret die Arbeit vor Ort – also genau die Angebote, mit denen wir Frauen überhaupt erreichen“, sagt Astrid Fehrenbach, Leitung der Beratungsstelle Amalie. „Das bedeutet: weniger Kontakte, weniger Beratung und am Ende weniger Unterstützung für diejenigen, die sie am dringendsten brauchen.“

 
Die Beratungsstelle beobachtet seit einiger Zeit, dass sich Prostitution immer stärker aus sichtbaren Bereichen in Wohnungen, Hotels und Online-Plattformen verlagert. Dadurch wird es zunehmend schwieriger, Frauen zu erreichen und ihnen Hilfsangebote zugänglich zu machen. „Gerade jetzt, wo sich Prostitution immer stärker ins Verborgene verlagert, bräuchten wir eigentlich mehr Ressourcen. Kürzungen wirken hier genau in die falsche Richtung“, so Fehrenbach.
Forderung nach bundesweiten Ausstiegsprogramm
Auch beim Ausstieg aus der Prostitution bestehen weiterhin große Hürden. Fehlende Wohnmöglichkeiten, unsichere Lebensverhältnisse und das Fehlen eines verlässlichen staatlichen Ausstiegsprogramms erschweren nachhaltige Perspektiven. „Viele Frauen wollen aussteigen, scheitern aber nicht am Willen, sondern an fehlenden Strukturen“, betont Michael Graf, Direktor des Diakonischen Werks Mannheim. „Hier braucht es dringend verlässliche politische Lösungen.“
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die gesundheitliche Versorgung. Viele Frauen haben keinen Zugang zum regulären Gesundheitssystem. Die medizinische Sprechstunde bei Amalie ist für sie häufig die einzige Möglichkeit, Hilfe zu erhalten. „Wir erleben immer wieder, dass Frauen erst sehr spät medizinische Hilfe in Anspruch nehmen – oft sind Erkrankungen dann bereits weit fortgeschritten“, erklärt Dr. Petra Bubel, die sich ehrenamtlich in der gynäkologischen Sprechstunde engagiert.
Der Jahresbericht zeigt: Der Bedarf an Unterstützung ist hoch – gleichzeitig stehen wichtige Angebote unter Druck. Amalie fordert daher eine langfristige Sicherung der Finanzierung sowie den Ausbau von Unterstützungsstrukturen für betroffene Frauen. (JeLa)