Beratungsbedarf steigt
- 08.04.2026 -
50 Jahre Hilfe für Schwangere in Mannheim
Die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung der Diakonie Mannheim hat im Jahr 2025 insgesamt über 1.000 Beratungen durchgeführt. Die Nachfrage bleibt hoch – und die Anliegen der Ratsuchenden werden zunehmend komplexer und sind so vielfältig wie das Leben. „Die Spannbreite der Anliegen ist groß – von der jungen Studentin mit Zukunftsplänen über die Alleinerziehende mit kleinen Kindern bis hin zu Familien in existenziellen Krisen.“, sagt Sozialarbeiterin Laura Quandt. „Jede Situation ist anders – und genau so individuell ist auch unsere Beratung.“
Die Beratung richtet sich nicht nur an Frauen während der Schwangerschaft, sondern begleitet Familien auch in der Zeit danach – bis zum dritten Lebensjahr des Kindes.
Seit 50 Jahren gibt es die Beratungsstelle der Diakonie in Mannheim. Sie gehört damit zu den ältesten in ganz Deutschland. Dabei hat sie sich stets an neue Themen und Lebenssituationen angepasst und ihr Beratungsspektrum kontinuierlich erweitert, unter anderem um die Pränataldiagnostik, die vertrauliche Geburt sowie unterschiedliche Formen des „blended counselling“, bei denen digitale und persönliche Beratungsformate kombiniert werden. Um die Qualität der Arbeit zu gewährleisten, werden die Mitarbeiterinnen regelmäßig geschult und nehmen an Fachtagungen sowie Fortbildungen teil.
Beratung in sensiblen Entscheidungssituationen
Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist die Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB, die Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch ist. Die Beratung erfolgt ergebnisoffen, vertraulich und auf Wunsch anonym. Sozialarbeiterin Julia D’Angelo sagt: „Wir stehen solidarisch an der Seite der Ratsuchenden, ohne zu bewerten oder zu verurteilen.“ Die Gespräche bieten Raum, um Gedanken zu ordnen, Ängste auszusprechen und eine tragfähige Entscheidung zu treffen – unabhängig davon, wie diese ausfällt.
Neben der persönlichen Beratung vor Ort gewinnen digitale Formate zunehmend an Bedeutung. 2025 wurden bereits Online-Beratungen durchgeführt, die insbesondere für berufstätige Frauen oder Ratsuchende mit weiter Anreise ein wichtiges Angebot darstellen. „Die Gründe sind vielfältig – manchmal braucht es auch einfach zeitnah einen Termin, gerade wenn ein Konflikt vorliegt“, bestätigt Sozialarbeiterin Julia Hördt.
Vielfältige Themen – wachsende Herausforderungen
Die Beratung geht dabei oft weit über den ursprünglichen Anlass hinaus. Viele Klientinnen sind mit multiplen Problemlagen konfrontiert: finanzielle Unsicherheit, fehlender Wohnraum oder schwierige familiäre Situationen. So ist die Wohnungsnot in Mannheim ein immer wiederkehrendes Thema. „Wir erleben, dass Familien unter sehr schwierigen Bedingungen leben – etwa wenn mehrere Personen auf engstem Raum wohnen oder sich Küche und Bad mit anderen teilen müssen“, heißt es aus der Beratungsstelle. Auch der Beratungsaufwand steigt: Viele Frauen benötigen eine längerfristige Begleitung, um ihre Situation zu stabilisieren und Perspektiven zu entwickeln.
Beratung für alle – unabhängig von Herkunft oder Lebenslage
Die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung der Diakonie in Mannheim steht seit 50 Jahren allen Menschen offen – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebenssituation. Im Mittelpunkt steht dabei immer das persönliche Gespräch: „Es geht darum, Frauen in einer oft sehr herausfordernden Lebensphase zu stärken und sie auf ihrem Weg zu begleiten.“ Die Beratungsstelle wird durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln finanziert, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.
Kontakt: Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung der Diakonie, Mail: schwangerenberatung.mannheim@diakonie.ekiba.de, Telefon: 0621 28000-0, www.diakonie-mannheim.de. (JeLa)
