Vesperkirche: Über 200 Beratungen in vier Wochen

- 06.02.2026 - 

Sozial- und Wohnungsnotfallberatung zeigt wachsenden Druck bei Wohnen, Existenzsicherung, Gesundheit – und zunehmende Altersarmut

In der Sozial- und Wohnungsnotfallberatung wurden während der laufenden Vesperkirche rund 200 Beratungen durchgeführt. Die Zahlen machen deutlich, wie stark Menschen aktuell unter steigenden Lebenshaltungskosten, Wohnungsnot und gesundheitlichen Belastungen stehen. Auffällig ist dabei, dass Altersarmut zunehmend eine tragende Rolle spielt.

Viele ältere Ratsuchende berichten von finanziellen Schwierigkeiten, die häufig unverschuldet entstanden sind – etwa durch lange Phasen von Teilzeitarbeit, die Pflege von Angehörigen oder unterbrochene Erwerbsbiografien. „Wir erleben immer häufiger, dass Menschen im Rentenalter Unterstützung benötigen, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet und Verantwortung übernommen haben“, berichtet Laura Quandt, Sozialarbeiterin beim Diakonischen Werk Mannheim.
 
Nicht selten erzählen Gäste, dass sie früher selbst engagiert waren, sich ehrenamtlich eingebracht oder andere unterstützt haben – und nun im Alter auf Hilfe angewiesen sind. Diese biografischen Brüche werden von vielen als besonders belastend erlebt.
 
Wohnen: Wohnungssuche, drohende Kündigungen
 
Allein in einer Woche fanden 43 Beratungen statt – ein besonders hoher Wert. Ein zentraler Schwerpunkt der Anfragen liegt weiterhin im Bereich Wohnen: Wohnungssuche, drohende Kündigungen – etwa wegen Eigenbedarfs –, steigende Mietkosten bis hin zu akuter Wohnungslosigkeit. Hinzu kommen Fragen der Existenzsicherung, darunter Grundsicherung (SGB II und XII), Energieschulden, Nebenkosten, Rentenfragen sowie Probleme mit dem Jobcenter.
Auch gesundheitliche und psychosoziale Belastungen spielen eine große Rolle. Viele Ratsuchende sind nicht oder nicht ausreichend krankenversichert, leiden unter psychischen Erkrankungen, Suchtproblematiken oder sind von Gewalt betroffen. Häufig verstärken sich finanzielle Sorgen, Wohnungsprobleme und gesundheitliche Einschränkungen gegenseitig.
 
Das Beratungsangebot fügt sich dabei passgenau in das Konzept der Mannheimer Vesperkirche ein. Menschen, die zum gemeinsamen Mittagessen kommen, erhalten hier niedrigschwellig Zugang zu Beratung und Unterstützung. „Viele Gäste würden eine klassische Beratungsstelle vermutlich nicht aufsuchen. In der Vesperkirche entsteht Vertrauen – und daraus der Mut, Hilfe anzunehmen“, sagt Martin Metzger, stellv. Direktor der Diakonie in Mannheim.
 
Die Sozial- und Wohnungsnotfallberatung versteht sich daher nicht nur als akute Hilfe, sondern auch als präventives Angebot. Ziel ist es, Krisen frühzeitig abzufangen, Menschen zu stabilisieren und sie gezielt an bestehende Hilfsangebote in Mannheim weiterzuvermitteln.
„Diese Zahlen sind keine abstrakte Statistik“, betont Martin Metzger. „Sie stehen für reale Lebenslagen – und zeigen, wie wichtig niedrigschwellige, verlässliche Unterstützungsangebote gerade für ältere Menschen sind.“ (JeLa)